Antoni Gaudí (1852-1926) ist zu einer der Hauptfiguren der internationalen Architektur geworden. Im 20. Jhdt. geriet sein Werk zuerst in totale Vergessenheit, danach schlugen die Wogen
der Begeisterung umso höher. Vor noch 50 Jahren tauchte sein Name weder in Kunst- noch in
Architekturgeschichten auf; heute gilt er als Avantgardist, Erneuerer und genialer Künstler. Sein
Werk hat die katalanische Architektur im 20. Jh. außerordentlich beeinflusst.
Gaudí findet auf der einen Seite weltweite Anerkennung von Millionen von Menschen, die jedes Jahr
nach Barcelona reisen, um seine Bauwerke zu besichtigen. Auf der anderen Seite ist er aber
paradoxerweise ein großer Unbekannter geblieben, weil viele Menschen nur seine Kirche "Sagrada
familia" und einige berühmte Häuserfassaden kennen. Seine architektonischen Neuerungen, die neben
formalen Aspekten, die Gebäudekonzeption betreffen, seine neuartigen Bauverfahren, die Verwendung
neuer Materialien sowie die geometrische Raumgestaltung sind indessen gröbtenteils unbekannt
geblieben.
Den 150. Geburtstag von Antoni Gaudí begeht die Stadt Barcelona, die sich der zeitgenössischen
Kunst und Architektur verpflichtet fühlt, mit einer Reihe von Veranstaltungen, die auf eine tiefere
Kenntnis von Gaudí zielen. Sein Leben, sein Gesamtwerk, seine wissenschaftlichen Arbeiten und
baulichen Vorschläge sollen bekannt gemacht und neu bewertet werden. Aus Anlaß der 150-Jahrfeier
wurden zudem bedeutende Werke Gaudís ausserhalb von Barcelona renoviert, wie zum Beispiel die
Industriehalle der Kooperative "La Obrera Mataronense" (Mataró) und die Krypta der Kirche der
Colonia Güell (Santa Coloma de Cervelló).
Im Rahmen des Internationalen Gaudí Jahres 2002 stehen unterschiedliche Veranstaltungen wie
Ausstellungen, öffentliche und private Besichtigungen von Gaudí-Bauwerken, Konferenzen, Symposien,
Lehrveranstaltungen etc. auf dem Programm.
Ausstellungen:
Zwanzig Ausstellungen befassen sich mit Gaudí und seinem Werk. Thematisiert werden Architektur,
Städtebau, Design, Keramik, Beziehungen zu seinen Mitarbeitern, Mäzene (insbesondere Eusebi Güell),
Zeitgenossen und die Sicht anderer Künstler auf das Werk von Gaudí.
Bis zum jetzigen Zeitpunkt stehen die folgenden Ausstellungen fest:
Gaudí und sein Umfeld
Centre de Cultura Contemporània de Barcelona. Barcelona
Nationalmuseum Centro de Arte Reina Sofía, Madrid
Barcelona: 5. Juni bis September 2002
Madrid: Oktober bis Dezember 2002
Gaudís Weltsicht:
kulturelle und künstlerische Strömungen; Beziehungen zu anderen Architekten; Einschätzung seiner
Zeitgenossen; spätere Internationalisierung
Gaudí. Kunst und Design
Ausstellungssaal Kulturzentrum Caixa Catalunya. Barcelona
17. Juni bis 24. September 2002
Repräsentative Ausstellung über Möbel und Gegenstände, die von Gaudí entworfen wurden.
Gaudí verstehen.
Raum, Geometrie, Struktur und Konstruktion
Salón del Tinell. Museum für Stadtgeschichte. Barcelona
19. März bis 27. September 2002
Technische und didaktische Ausstellung zum Verständnis der reichen Architektur des Künstlers
anhand von Modellen, Grafiken, Fotografien.
Gaudís Werkstatt
Museum der Kirche Sagrada Familia. Barcelona
März bis Dezember 2002
Gaudí widmete die letzten vierzehn Jahre seines Lebens der Suche nach neuen Konstruktionsformeln
für die Sagrada Familia. Die Ausstellung erklärt seine Arbeitsweise und die wissenschaftliche Seite
seines Werks.
Gaudís Werkstatt.
Architekten in Zusammenarbeit mit Gaudí
Architektenkammer von Katalonien.
Datum steht noch nicht fest
Gaudí arbeitete stets im Team. Seine nächsten Mitarbeiter waren Architekten, Künstler und
Kunsthandwerker. Insbesondere auf dem Gebiet der Architektur umgab er sich mit herausragenden
Architekten wie Ràfols, Jujol, Berenguer, Rubió, Martinel. Bergós, Puig-Boada Bonet, Garí,
Sugrañes etc. Die Ausstellung basiert auf Originalzeichnungen der vorher genannten Architekten.
Gaudí im Parque Güell.
Architektur und Natur
Pförtnerei, Parque Güell. Barcelona
Ende 2001 oder Anfang 2002
Die Pförtnerei wird zum Dokumentationszentrum. Erklärt werden die Beziehungen zwischen Gaudí und
Güell, die städtebaulichen Aspekte einer Gartenstadt, die Formen und Farben der Architektur, die
Gebäude, die Flora und Fauna und der soziale Hintergrund des Parks.
Ursprung und Originalität.
Die Wurzeln von Gaudí
Kunstzentrum Santa Mònica. Barcelona
März bis Dezember 2002
Ausstellung über Gaudís Beziehung zur Natur, sein soziokulturelles Umfeld, die Morphologie, die
religiöse Bedeutung seines Werkes. Seine Nähe zur Volkskunst und zur Tradition sowie internationale
Einflüsse auf sein Werk.
Die Colonia Güell.
Industrie, Architektur und Städtebau
Dokumentationszentrum colonia Güell. Santa Coloma de Cervelló
Datum steht noch nicht fest
Ausstellung über die von Eusebi Güell gegründete Kolonie. Sie umfaßt Industriehallen, eine Siedlung
und eine Kirche, deren Krypta Gaudí entworfen hatte.
Das höfische Leben:
Eusebi Güell und Antoni Gaudí. Zwei Männer - ein Projekt.
Palast Güell
18. März bis Dezember 2002
Die enge Beziehung zwischen Güell und Gaudí, die in einem großen gemeinsamen Projekt mündete, ist
Thema der Ausstellung.
Der Designer Jujol
Nationalmuseum für Katalanische Kunst, Palau Nacional. Barcelona
21. März bis 17. August
Josep María Jujol war von allen Architekten, mit denen Gaudí zusammenarbeitete, am originellsten.
Der erfindungsreiche Jujol war beteiligt am Bau der Casa Batlló, Casa Milà und am Parque Güell.
Keramik im Werk von Gaudí
Verband der Baumeister und Archtiketen von Barcelona. Barcelona
Datum steht noch nicht fest
Die Ausstellung betont die Bedeutung der Keramik für das Werk Gaudís anhand von Keramikoriginalen,
Modeln und Materialien, die aus Gaudís Werkstatt stammen
Serie "Gaudí" von Joan Miró
Fundación Joan Miró. Barcelona
30. März bis September 2002
Joan Miró war ein grober Bewunderer von Gaudí. Sein Interesse am Werk des Architekten veranlasste
Miró zu einer "Hommage an Gaudí" von 1979, die aus 21 Radierungen besteht.
Dalí und Gaudí.
Gaudí und Dalí
Museum Castell Gala Dalí de Púbol, La Pera (Gerona)
Dalí war einer der ersten Verteidiger des Künstlers Antoni Gaudí. 1933 machte er Gaudí bei den
Surrealisten mit dem Artikel "De la beauté terrifiante et comestible de l'architecture Modern
Style" bekannt, der in der Zeitschrift Minotaure erschien.
Gaudí und Verdaguer.
Tradition und Modernität in Barcelona zu Beginn des Jahrunderts
Museum für Stadtgeschichte. Barcelona
21. Márz bis 30. August 2002
Das 100. Todesjahr des katalanischen Dichters Jacint Verdaguer fällt mit dem 150. Geburtsjahr von
Gaudí zusammen. Die Ausstellung zeigt die Beziehungen zwischen den beiden Künstlern in Bezug auf die
katalanische Kulturszene am Ende des 19. Jhdt.
Gaudí.
Befreundete Maler und Bildhauer
Fundación Francisco Godia. Barcelona
28. Mai bis 29. September 2002
Die Ausstellung zeigt die Werke von Künstlern wie Aleix Clapés, Francesc Gimeno, Darío de Regoyos,
Ramon Bonet u.a., mit denen sich Gaudí im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit befreundet hatte.
Modernismus-Sammlungen des Museums für Moderne Kunst
Museum für Moderne Kunst (MNAC). Barcelona
Juli bis September 2002
Gaudís Werk fällt mit dem Entstehen, der Blüte und dem Niedergang des Modernismus zusammen. Die
Ausstellung will eine Übersicht über diese Kunstströmung anhand von Künstlern und Kunsthandwerkern
geben, die Zeitgenossen von Gaudí waren.
Modernistische Plakate
Nationalmuseum für Kunst in Katalonien. Palau Nacional. Barcelona
Februar bis April 2002
Plakate von berühmten modernistischen Künstlern wie Casas, Rusiñol, De Riquer, Gargallo, Casanovas
etc.
Die modernistische Medaille
Nationalmuseum für Katalanische Kunst. Palau nacional. Barcelona
7. Juni 2001 bis Juli 2002
Medaillen, die von Eusebi Aranau, Antoni Parera, Miquel Blay Pau Gargallo und Josep Llimona gestaltet
wurden.
Gaudí aus der Sicht der Fotografen
Im Rahmen des "Fotografenfrühlings" ("Primavera Fotográfica" 2002)
Der Einflub von Gaudí
Kunstzentrum Santa Mónica. Barcelona
Juni bis September 2002
Wesensmerkmale wie die Beziehung zwischen Kunst und Natur, die Organizität, der Bezug auf die
katalanische Identität, Eisenskulpturen, die konstant das Werk von Gaudí durchziehen, zeigen sich
auch in den Werken von Salvador Dalí, Juli González, Antoni Tàpies, Mariscal etc.
Besichtigung von Gaudí-Bauwerken
Im Rahmen des Internationalen Gaudí-Jahres wurden mit öffentlichen und privaten Besitzern der
Gaudí-Häuser Vereinbarungen getroffen, die den öffentlichen Zugang zu Werken des Architekten
ermöglichen.
Den Besuchern der Baudenkmäler stehen drei verschiedenen Möglichkeiten der Verkehrsanbindung offen:
zu Fub auf ausgeschilderten Routen, die mit Haltestellen des öffentlichen Verkehrsnetzes verbunden
sind und mit Hilfe des "Bus Gaudí", der in der Nähe der einzelnen Gebäude halten wird.
Vor jedem Gaudí-Gebäude kann man sich auf einer Tafel über die wichtigsten Daten zum Gebäude
informieren.
Gebäude, die gegenwärtig öffentlich zugänglich sind:
· Versöhnungskirche Sagrada Familia (1883-1926)
· La Pedrera. Casa Milà (1906-1912)
· Parque Güell (1900-1914)
· Palau Güell (1886-1888)
· Pavillons der Finca Güell (1884-1887)
· Kirche der Colonia Güell (1898-1908-1917)
Gebäude, die nur während des Internationalen Gaudí-Jahres öffentlich zugänglich sind:
- Casa Vicens (1883-1888)
· Kollegium der Theresianernonnen (1888-1889)
· Torre de Bellesguard (1900-1909)
· Casa Batlló (1904-1906)
Weitere Details über das Gaudí-Jahr sind über das Internet www.gaudi2002.bcn.es abrufbar.