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 Ist Mallorca jetzt unbezahlbar geworden?



Seit Monaten kommt die Insel Mallorca nicht mehr aus den Schlagzeilen. Erst die allgemeine Situation, dann Preissteigerungen, die Währungsumstellung, die Sondersteuer und immer wieder Unwetter. Was ist nur aus dem 17. Bundesland geworden?

Bemerkenswert ist, dass die Reisepreise und Entgelte für die Unterbringung jedes Jahr um ca. 10% angehoben wurden. Diese Erhöhungen wurden mit Preissteigerungen für Flugbenzin, weiteren Steuern und gestiegenen Lebenshaltungskosten begründet. Die Verantwortung, so wurde erklärt, läge bei den Insulanern. Die wiederum erklärten die Reiseveranstalter trügen die Schuld, und die Reiseveranstalter wurden bislang nicht müde zu erklären, die Regierung habe diese Teuerung verursacht. Es wundert da, wenn auf dem Festland Spanien die Preiserhöhung in den letzten 10 Jahren nur insgesamt 18% ausmacht.

Mit der Katastrophe des 11. Septembers 2001 gab es einen weiteren Preisschub um rund 12% wegen der plötzlich gestiegenen Versicherungsprämien bei Fluggesellschaften und zusätzlicher Kosten für die verstärkte Kontrolle an Flughäfen.

Die gewaltigste Preiserhöhung erlebte die Insel jedoch mit der Einführung des Euros. Die meisten Veranstalter haben hier mitgezogen und die Preise um weitere 15% angehoben. Veranstalter und Anbieter aller Couleur auf Mallorca sind da noch forscher an die Umstellung gegangen und haben die Preis eigentlich nicht verändert, nur die Währung gewechselt. So kostete bei einem Fahrzeugverleih ein kleines Auto vor der Umstellung noch 321 DM und nach der Umstellung 321 Euro.

Im Juni 2002 ergab ein Test auf Mallorca, dass auch mit der Preisgestaltung in Restaurants und Bars ähnlich verfahren wurde. So kostete ein Kaffee 210 Pesetas (ca. 2,40 DM), heute kostet der gleiche Kaffee aus der Hand des selben Kellners schlappe 3 Euro.

Im Mai dieses Jahres glänzte die Inselregierung dann mit einer neuen Idee, der Touristenabgabe. Künftig muss jeder Betreiber von Hotel eine Abgabe an die Regierung bezahlen, die der Umwelt auf der Insel zugute kommen soll. Pro Tag muss der Unternehmer künftig also zwischen 50 und 75 Euro - Cents pro Tag und Unterkunft berappen, die natürlich an den Touristen weitergegeben werden. In einem Verfahren vor dem EUGH wies dieser die Klage als unbegründet zurück, da es sich nicht wie der Kläger vorgab, um eine Steuer handele, die nach den Richtlinien des Doppelbesteuerungsabkommens der Europäischen Union nicht statthaft wäre. Der EUGH kommt zur Auffassung, dass es sich um eine Art Kurtaxe handelt und somit gegen Europäisches Recht nicht verstoße.

Die Insel hat so viel Schönes zu bieten, nicht nur Fun für Jugendliche und Nachtschwärmer, sondern auch für romantisch veranlagte, Wissbegierige, Radfans und Wasserratten. Nur schade, dass es sich Familien künftig nicht mehr leisten können, die Insel zu besuchen. Am härtesten trifft es die Familien, die ausschließlich mit einem Durchschnittsgehalt auskommen müssen.

Abgeschreckt wurden dieses Jahr Touristen auch durch die Wetterlagen. Unwetter sind auf der Insel normal und eigentlich nicht übermäßig Gegenstand allgemeiner Berichterstattung. In diesem Jahr waren die Unwetter aber ungewöhnlich früh, besonders ausdauernd und auch besonders heftig. Auch in den letzten Wochen schlugen die Unwetter wieder zu und verschreckte die letzten "Last-Minute-Bucher", ganz zum Leidwesen der Tourismusindustrie. In der Nacht vom 11. auf den 12. August fiel das Thermometer auf 16°C, seit dreißig Jahren der niedrigste Stand im Monat August.

Nun kündigte die Regierung an, weiter aufräumen und für Ordnung sorgen zu wollen. So verbot sie jetzt den Inhabern des "Pascha", der Inndiskothek am Strand "Es Trenc", Gemeinde Campos, dass künftig keine Strandparties mehr gefeiert werden dürfen. Das Verbot wurde ausgesprochen wegen fehlender Infrastruktur des Strandabschnittes.

Die Inselregierung hat bekannt gegeben, dass lediglich im Monat Juli und August eine Vollauslastung festgestellt wurde. Deutlich erkennbar ist bislang die Zurückhaltung der Touristen und die weiteren Prognosen lassen auch keine Besserung bis Ende des Jahres erkennen. Wir dürfen hier gespannt sein, wie sich die Insulaner und die Regierung verhalten wird, denn viele Touristen, die alle langfristig buchen müssen, haben bereits Ziele wie Griechenland, Ex-Jugoslawien und Ungarn in die engere Wahl gezogen. Auch Italien wird derzeit gerade wieder entdeckt.

[red]



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